Union Berlin: So weit ist das System Lustrinelli
Neuer Trainer soll Union umkrempeln: Wie weit das System Lustrinelli wirklich ist
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Ist das schon der neue 1. FC Union? In ihrer achten Bundesliga-Saison wollten die Eisernen eine neue Richtung einschlagen. Der neue Trainer Mauro Lustrinelli (50) soll eine neue Spielweise in Köpenick etablieren – und den eigenen Nachwuchs zum zentralen Bestandteil von Unions Zukunft machen. Aber wie viel davon ist in Köpenick schon zu sehen?
Zum Start bei den Eisernen kommunizierte Lustrinelli klar, wie er spielen lassen will: offensiv, dynamisch, mit Energie und Leidenschaft. Stattdessen hat sich Union in den ersten vier Spielen zur Schießbude der Liga entwickelt. 17 Gegentore kassierte Union, traf selbst nur viermal. Weniger Tore erzielten nur drei Mannschaften: der HSV (zwei Tore), Paderborn und Schalke (je drei Tore). Alle drei stehen in der Tabelle vor Union. Und die drei Saisontore erzielte Schalke gegen Union.
Am ehesten war Lustrinellis Idee wohl im Spiel gegen Schalke zu sehen. Gegen den Aufsteiger hatte Union 66 Prozent Ballbesitz – letzte Saison noch ein kaum vorstellbarer Wert. Dazu 20 Chancen, die Loris Karius (33) souverän vereitelte. Insgesamt wirkt das Spiel der Eisernen nach vorn aber noch immer wenig dynamisch und kreativ. Union auf der Suche nach Ideen
Neuzugang Michel Aebischer (29), dessen Stärke eigentlich genau drin liegt, blieb bislang blass. Und auch seinen Teamkollegen fehlen die offensiven Ideen. Immerhin: Leidenschaft und Kampfgeist zeigte Lustrinellis Mannschaft zumindest phasenweise. Zuletzt sogar in der ersten Halbzeit in München und als sie den 1:3-Rückstand gegen Frankfurt aufholten. Auch Lustrinelli betont immer wieder, das er die Ansätze seiner Idee sieht. Nur nicht über 90 Minuten und ohne Erfolg.
Was ist mit dem Nachwuchs? Präsident Dirk Zingler (62) kündigte nach der letzten Saison an, dass die eigene Jugend künftig eine größere Rolle spielen soll. Wirtschaftlich wäre es für Union wichtig, Spieler auszubilden und möglichst teuer zu verkaufen. Mit Lustrinelli wurde ein Trainer verpflichtet, der den Ruf hat, Talente zu entwickeln.
Linus Güther (16) soll unter ihm zum Bundesliga-Spieler reifen. Ebenso wie Mekhi Gray (19), Julien Friedrich (19) und Andrik Markgraf (20). Das Problem: Bis auf Güther fielen alle verbliebenen Nachwuchsspieler aus. Gray ist mittlerweile wieder fit, wurde beim Testspiel in Rijeka (1:0) eingewechselt. Güther zaubert für U17-Nationalmannschaft
Und Wunderkind Güther zeigt derweil überall anders, was er kann. Für Unions U19 bestritt er vier der sechs Spiele der laufenden Saison, ist mit fünf Toren der beste Torjäger des Eisern-Nachwuchses. Dazu kommen drei Vorlagen. Auch im DFB-Trikot überzeugt das Talent: Am Montagabend bestritt er sein erstes Spiel für die U17-Nationalmannschaft und glänzte sofort. Beim 2:1-Sieg gegen Venezuela bereitet er das erste Tor vor, schoss das zweite selbst.
Lustrinelli sagte im Sommer, dass er Güther am meisten hilft, indem er ihm Spielzeit gibt. Natürlich gibt es den Impuls in Krisenzeiten auf Erfahrung zu setzen. Doch Risiko wird oft belohnt. Und Güther ist der Spielertyp, den Union im Mittelfeld jetzt braucht: clever, gewitzt und kreativ.
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