Schweizer Taschenmesser: Warum seine Geschichte in Solingen begann
Es begann in Deutschland: Die wahre Geschichte des Schweizer Taschenmessers
Spots Es begann in Deutschland: Die wahre Geschichte des Schweizer Taschenmessers

Wer ein Schweizer Taschenmesser in der Schublade liegen hat, besitzt oft mehr als nur ein Werkzeug. Die berühmte rote Ikone entstand zwar in der Schweiz, ihre Geschichte führt aber zunächst nach Deutschland. Genauer gesagt nach Solingen, der Stadt der Klingen.
Als das Schweizer Militär Ende 1890 ein neues Soldatenmesser suchte, traute es den heimischen Messerschmieden einen Großauftrag über 15.000 Stück nicht zu. Das gewünschte Modell sollte Klinge, Schraubenzieher für das Gewehr „Modell 1889“, Dosenöffner und Ahle vereinen. Die Anfrage ging deshalb direkt an eine Firma in Solingen, heißt es bei myHOMEBOOK. Der Auftrag ging fast verloren
Dagegen protestierten Schweizer Hersteller lautstark. Einer von ihnen war Karl Elsener. Er gründete 1891 mit 30 Kollegen den Schweizerischen Messerschmiedeverband. Nach öffentlichem Druck durften schließlich auch Schweizer Betriebe bieten.
Elsener erhielt den Zuschlag und lieferte die neuen Soldatenmesser. Damit begann die Erfolgsgeschichte des Schweizer Taschenmessers. Doch wirtschaftlich lief es zunächst schlecht. Viele Verbandskollegen stiegen schon 1892 wieder aus, weil Hersteller aus Solingen günstiger produzierten.
Die Wende brachte eine technische Neuerung. Im Juni 1897 patentierte Elsener ein leichteres Messer, bei dem eine Feder Werkzeuge auf beiden Griffseiten festhielt. Das „Offiziers- und Sportmesser“ war schlanker als das bisherige Armeemesser und besaß zusätzlich einen Korkenzieher.
Das Schweizer Militär kaufte dieses Modell nie. Offiziere und private Kunden griffen jedoch begeistert zu. Dadurch wurde Elseners Firma gerettet. 1909 benannte er sie nach seiner Mutter Victoria. Später entstand daraus der bis heute bekannte Name Victorinox. Kultobjekt bis ins Weltall
Das Schweizer Taschenmesser gehört seit 1968 zur Sammlung des Museums of Modern Art in New York. Seit den späten 1970er-Jahren zählt ein „Swiss Army Knife“ außerdem zur Standardausrüstung von NASA-Astronauten. 1995 half es sogar beim Öffnen einer klemmenden Luke an der Raumstation Mir.
Rechtlich gilt das klassische Schweizer Taschenmesser in Deutschland in der Regel als Gebrauchsmesser. Seine Klinge wird nicht festgestellt, sondern nur durch Federkraft gehalten. Deshalb fällt das Original normalerweise nicht unter das Verbot bestimmter Messer nach § 42a des Waffengesetzes.
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