Neue Umfrage zum 3. Oktober: Ossi oder Wessi? Egal!
Neue Umfrage zum 3. Oktober: Ossi oder Wessi? Egal! Mauer in den Köpfen wird kleiner
Spots Neue Umfrage zum 3. Oktober: Ossi oder Wessi? Egal! Mauer in den Köpfen wird kleiner

Berlin/Leipzig – 36 Jahre nach der Deutschen Einheit ist die Mauer in den Köpfen offenbar kleiner geworden – verschwunden ist sie aber längst nicht! Eine neue Umfrage anlässlich des Projekts „Identitäten ohne Mauern“ zeigt ein erstaunliches Spannungsfeld: 92 Prozent der Befragten sehen weiterhin deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Doch im eigenen Alltag sieht das ganz anders aus. Denn: 68 Prozent unterscheiden dort überhaupt nicht zwischen ost- und westdeutsch. Für 77 Prozent ist die Zugehörigkeit zum eigenen Ort oder zur Region wichtiger als die Einordnung in Ost oder West.
Besonders verblüffend: Trotz aller Kritik ist der Blick auf die vergangenen 36 Jahre keineswegs nur negativ. 87 Prozent sehen Anlass, auf das seit 1990 Erreichte stolz zu sein. Gleichzeitig sagen gerade einmal 10 Prozent, die innere Einheit von Ost und West sei bereits erreicht.
„Unsere Umfrage zeigt: Im persönlichen Alltag spielt Ost oder West für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine deutlich geringere Rolle als in den gesellschaftlichen Debatten darüber“, sagt Anna Kaminsky (64), Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. „Kritik an fortbestehenden Unterschieden und Stolz auf das seit 1990 Erreichte schließen sich also keineswegs aus.“ Lebensleistung zu wenig gewürdigt
Besonders deutlich fällt das Urteil bei der öffentlichen Wahrnehmung aus: 77 Prozent der Teilnehmer halten die Darstellung Ostdeutschlands in den Medien nicht für angemessen. 79 Prozent finden, die Lebensleistung der Ostdeutschen werde nicht ausreichend gewürdigt. 65 Prozent sehen Nachteile beim beruflichen Aufstieg. Auch die Negativklischees sind offenbar noch längst nicht Geschichte: 85 Prozent sagen, dass sie weiterhin eine große Rolle spielen. Wohnort verändert die Sicht
Die Auswertung zeigt zudem: Wer zwischen Ost und West umzieht, verändert bei mehreren Fragen seine Einschätzung – und nähert sich teilweise der Sichtweise der neuen Umgebung an. Ein Beispiel: Von den im Westen Aufgewachsenen, die heute dort leben, sehen 40,9 Prozent berufliche Benachteiligung. Bei den Ostdeutschen, die im Osten geblieben sind, sind es 78,2 Prozent.
Auch bei der Frage, ob Ostdeutsche durch DDR-Erfahrung und die Wende-Zeit krisenfester seien, klafft eine bemerkenswerte Lücke: 47 Prozent der im Osten Aufgewachsenen stimmen zu – im Westen Aufgewachsene kommen nur auf 12 Prozent. Das ist mit 36 Prozentpunkten der größte Herkunftsunterschied der gesamten Umfrage. Was denken die Befragten über die Debatte selbst?
Eine Mehrheit von 57 Prozent findet übrigens nicht, dass zu viel über Ost-West-Unterschiede gesprochen wird. 43 Prozent sehen das anders.
Die ausführlichen Antworten zeigen dabei ein kompliziertes Bild: Manche Teilnehmer kritisieren eine Überbetonung der Ost-West-Kategorie, andere fordern gerade mehr Aufmerksamkeit für reale Unterschiede. Häufig geht es den Befragten weniger um die Frage „zu viel oder zu wenig“ als um die Art, wie über Ost und West gesprochen wird.
„Die Ergebnisse sind in doppelter Hinsicht bemerkenswert“, sagt Olaf Jacobs (54), Geschäftsführer des Instituts Hoferichter & Jacobs, das die Umfrage mit der Bundesstiftung Aufarbeitung im September 2025 auf www.dna-des-ostens.de gestartet hat. „Ostdeutschland ist in der ,Tagesschau’ gemessen an der Bevölkerungsgröße quantitativ deutlich stärker präsent als Westdeutschland. Zugleich unterscheidet sich das Themen-Setting erheblich: Westdeutschland erscheint eher als Wirtschaftsregion, Ostdeutschland eher als politisches Konfliktfeld“, sagt Jacobs.
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