KI in der Medizin: Herzkrankheit, Hirntumor und Krebs früher erkennen
Herz, Krebs & Hirntumor: 3 KI-Knaller, die Patienten Hoffnung machen
Spots Herz, Krebs & Hirntumor: 3 KI-Knaller, die Patienten Hoffnung machen

Die größte KI-Hoffnung liegt in der Vorbeugung. Drei Studien zeigen das Potenzial. So können neue Modelle Hinweise auf eine gefährliche Herzkrankheit in einem EKG-Foto erkennen, Menschen mit hohem Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs Jahre vorher erkennen und vorhersagen, wo ein aggressiver Hirntumor nach einer OP zurückkehren könnte. KI erkennt Bauchspeicheldrüsenkrebs-Risiko
Bauchspeicheldrüsenkrebs wird häufig erst entdeckt, wenn die Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist. Forscher der Mayo Clinic in den USA entwickelten ein KI-Modell, das Menschen mit hohem Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs Jahre vor der Diagnose erkennen soll. Das Besondere: Die KI wertet Daten aus, die in Krankenhäusern ohnehin vorhanden sind – etwa Diagnosen, Laborwerte und Informationen aus der Patientenakte.
Die Forscher analysierten Krankengeschichten von 6066 Krebspatienten und 33.396 Vergleichspersonen, berichtet „Forschung und Wissen“. Das Modell konnte drei Jahre vor der Diagnose zwischen hohem und niedrigem Risiko für die Krebsart unterscheiden. Deutlich war das Ergebnis bei Patienten mit einem errechneten Krebsrisiko von über 50 Prozent: Bei 88 Prozent wurde innerhalb eines Jahres Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt. Die Ergebnisse präsentierte das Team auf dem Chirurgenkongress des American College of Surgeons in Washington. Allerdings muss das Verfahren noch in anderen Kliniken überprüft werden. KI erkennt Herzkrankheit auf EKG-Foto
Eine schwere Herzkrankheit bleibt bei vielen Betroffenen lange unentdeckt: die kardiale Amyloidose. Dabei lagern sich fehlerhaft geformte Eiweiße im Herzmuskel ab. Das Herz wird steifer und kann schlechter pumpen. Forscher der Yale School of Medicine entwickelten eine KI, die innerhalb von Sekunden Hinweise auf die häufigste Form, die Transthyretin-Amyloidose, in einem normalen EKG erkennen kann. Besonders praktisch: Dafür genügt ein Foto des EKG-Ausdrucks mit dem Smartphone.
Das Modell wurde mit EKG-Daten Tausender Patienten trainiert und auf Muster der Amyloidose spezialisiert. Dann wurde es an acht Patientengruppen getestet. Aber: Die KI soll nicht selbst die Diagnose stellen, sondern als Frühwarnsystem für Ärzte dienen. Denn: Medikamente können das Fortschreiten der Erkrankung bremsen, bereits entstandene Schäden lassen sich dagegen nur schwer rückgängig machen. KI sagt voraus, wo ein Hirntumor zurückkommt
Auch beim Glioblastom, einem aggressiven Hirntumor, könnte KI helfen. Forscher der University of California und der University of Michigan entwickelten ein Modell, das anhand von Gewebe aus der ersten OP vorhersagen kann, an welchen Stellen der Tumor später zurückkehren könnte. Für ihre Studie im Fachmagazin „Science Advances“ wurde ein spezielles Laser-Mikroskopie-Verfahren genutzt. Dabei wird frisches Gewebe während der OP mit Laserlicht untersucht. In weniger als einer Minute entsteht ein mikroskopisches Bild. Die KI FastGlioma erkennt, wie viele Tumorzellen noch im Gewebe stecken.
Das Modell konnte unterscheiden, welche Bereiche später von einem Rückfall betroffen waren. Die Vorhersage war bis auf etwa 5 bis 10 Millimeter genau. Wenn eine gefährdete Region während der ersten OP erkannt wird, könnte dort – sofern medizinisch vertretbar – gezielter operiert oder später gezielt bestrahlt werden. Noch ist allerdings nicht bewiesen, dass eine solche gezielte Behandlung tatsächlich das Überleben verlängert. Dafür sind weitere klinische Studien nötig.
Ob Herzkrankheit, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Hirntumor: KI soll verborgene Muster in vorhandenen medizinischen Daten erkennen. Sie ersetzt nicht den Arzt, sondern macht Warnsignale früher sichtbar. So können Untersuchungen und Behandlungen früher starten – dann, wenn sie am meisten helfen.
Herz, Krebs & Hirntumor: 3 KI-Knaller, die Patienten Hoffnung machen
