Juri buddelt sich ein: Dieser Russe wohnt in einer Höhle!
Juri buddelt sich ein: Dieser Russe wohnt in einer Höhle!
Spots Juri buddelt sich ein: Dieser Russe wohnt in einer Höhle!

Berd (Armenien) – Tiefer Nebel hängt über den grasbewachsenen Bergen. Krähen kreischen. Auf einem kleinen Hügel, acht Kilometer vom nächsten Dorf entfernt, lebt der Aussteiger Juri Aleksejew (52) in einer Erdhöhle, die er sich selber gegraben hat. Seine Behausung sieht aus wie bei den Hobbits im Film „Herr der Ringe“. Juri lebte in Moskau. Als Russen-Diktator Wladimir Putin (73) vor über vier Jahren den Krieg begann, wurde ihm alles zu viel. Also floh Juri nach Armenien und verschwand in einem Erdloch. BILD-Reporter Julius Fitzke hat ihn besucht.
Juri Aleksejew (52) kommt aus seiner Hobbit-Höhle, in der Hand einen Topf mit Buchweizen, Sonnenblumenöl und zwei hartgekochten Eiern. Mittagessen. Alles an Juris Leben ist einfach, seit er anfing, in einer Höhle zu leben. Für ihn ist es Protest: Er kapselt sich ab von seiner Heimat, die Krieg gegen die Ukraine führt. „Was Schlimmeres gibt es nicht“, sagt Juri. „Meinem Kaninchen ging es schlecht“
Als der Krieg losging, stellte er ein Schild mit der Aufschrift „Kein Krieg“ neben sein Haus. Er wurde verhaftet und zu 15 Tagen Knast verurteilt. Wenig später verließ er Russland und ging nach Armenien.
Viele Russen, die mit dem Krieg nicht einverstanden waren, kamen nach Armenien. Sie brauchen keinen Pass, kein Visum, können fast ohne Zeitbeschränkung bleiben. Außerdem sprechen fast alle Armenier Russisch.
Juri lebte fünf Monate in der Hauptstadt Jerewan. „Aber es war so heiß da. Und meinem kleinen Kaninchen ging es schlecht!“ Also beschloss er, sich eine Höhle in den Bergen zu graben. „Granatäpfel klingeln nicht, Glocken schon“
Juris Höhle ist ganz aus Lehm und vollgerümpelt mit Kram. Morgens und abends setzt er sich vor eine Webcam, isst und macht Livestreams, in denen er vom Höhlen-Alltag erzählt: Von den Spenden und Werbeeinnahmen lebt er.
Die Regale in der Höhle sind in die Lehmwände gesteckt, sie sind voller Kerzen, die er selber zieht, Glocken, die er selber töpfert. Das ist sein Hobby: Er hat sogar einen Keramik-Ofen, den er mit Solar betreibt, um seine Glocken zu brennen. „Ich verschenke die Glocken, als Armenien-Souvenir. Das Symbol Armeniens sind Granatäpfel. Aber Granatäpfel klingeln nicht, Glocken schon!“
Ob er manchmal einsam ist, Angst hat, nicht alleine zurechtzukommen? „Ich komme klar. Ich habe Schuhe, Füße und bin gesund“, erwidert er. Eine Glocke für die Nachbarn
Draußen vor der Höhle hängt Nebel, der Himmel ist grau. „An solchen Tagen habe ich kaum Strom“, ächzt er. Wenn er nicht töpfert, dann mäht er Rasen, brütet Küken in seinem Solar-Inkubator aus. Oder er besucht Anush und Narek, seine Nachbarn. Die wohnen einen halbstündigen Fußmarsch auf einem schlammigen Pfad durch die Hügel entfernt.
Juri buddelt sich ein: Dieser Russe wohnt in einer Höhle!
