Hendrik Wüst auf Türkei-Reise: Was hinter seiner Kanzler-Tour steckt
Nach Treffen mit Erdogan: Was wirklich hinter Wüsts Türkei-Tour steckt
Spots Nach Treffen mit Erdogan: Was wirklich hinter Wüsts Türkei-Tour steckt

Ankara – Der Überraschungs-Coup war geglückt. Als erster Ministerpräsident wurde NRW-Chef Hendrik Wüst (51, CDU) in der türkischen Hauptstadt Ankara von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan (72) empfangen. Und nicht nur in Wüsts großer Begleit-Delegation (60 Personen!) fragen sich viele: Macht sich der NRW-MP hier (doch) als möglicher Ersatz-Kanzler warm?
An Tag 2 geht Wüsts heimliche Vielleicht-bald-Kanzler-Tour durch die Türkei weiter. Wüst (wird übrigens in einer Limousine mit Bundesflagge und Polizeieskorte gefahren) klappert die nach Erdogan vielleicht wichtigsten Strippenzieher in der türkischen Regierung ab, trifft sich mit Finanzminister Mehmet Simsek (59), Industrieminister Mehmet Fatih Kacir (41) und Außenminister und ehemaligem Geheimdienst-Chef Hakan Fidan (58). Viel mehr geht in der Türkei nicht …
Mittags spricht Wüst beim Gala-Empfang für 1500 (!) Gäste im Garten der Deutschen Botschaft zum Tag der Deutschen Einheit. Es gibt Kartoffelsalat und Currywurst aus Bochum („Bochum’dan Currywurst“), dazu Veltins Pils. Vier Tage vor dem offiziellen Feiertag, den Bundeskanzler Friedrich Merz mit einem Bürgerfest in Bremen feiern wird. Preis für Ex-Nationalspieler İlkay Gündoğan
Abends soll es weitergehen nach Istanbul – dort trifft er Ex-Nationalfußballer İlkay Gündoğan (35), verleiht ihm einen Integrationspreis. Wüst will die ehemaligen Gastarbeiter ehren. „Viel zu lange“ habe man ihre Nachkommen eher als Problem gesehen, sagt er in der Türkei. Und das sei falsch: „Viele gut ausgebildete junge Leute, die beide Kulturen kennen, oft beide Sprachen als Muttersprache beherrschen – wenn das keine Chance ist.“ „Kanzlerprobefahrt“ erweitert Machtoptionen
Was wirklich dahintersteckt: Der CDU-Spitzenpolitiker Wüst erweitert durch die „Kanzlerprobefahrt“ („taz“) seine Machtoptionen.
Erstens: Er gewinnt türkischstämmige Wähler für die bevorstehende NRW-Landtagswahl, die bislang eher SPD oder neuerdings auch AfD wählen. Gerade in den Ruhrgebiets-Großstädten ein enormes Potenzial.
Zweitens: Er öffnet die CDU nach links, besänftigt Großstadt-Wähler, denen Merz’ Spruch über die „kleinen Paschas“ übel aufgestoßen ist. Mit ihm wäre auch im Bund eine schwarz-grüne Koalition möglich, wie Wüst sie in NRW „geräuschlos“ führt.
Politik-Prof. Oliver Lembcke (57, Ruhr-Uni Bochum) erklärt die Türkei-Taktik: „Wüst bietet einen Gegenentwurf zur ‚Stadtbild-Debatte‘ in der CDU und stellt sich deutlich gegen fremdenfeindliche Tendenzen bei der AfD“, so Lembcke zu BILD. „Wenn er Kanzler werden will, muss er mehr sein als der ‚bessere Merz‘. Er muss einen Gegenentwurf anbieten und Wähler auch links der Mitte ansprechen.“ Sein auffälliges Engagement für die Türken in Deutschland und die Türkei insgesamt sei daher „äußerst hilfreich“ – in NRW, aber auch für mögliche Kanzler-Ambitionen.
Nach Treffen mit Erdogan: Was wirklich hinter Wüsts Türkei-Tour steckt
