Gaza-Konflikt: Essener Schule lädt Holocaust-Überlebenden aus
Aus Angst vor Reaktionen der Schüler?: Essener Schule lädt Holocaust-Überlebenden aus
Spots Aus Angst vor Reaktionen der Schüler?: Essener Schule lädt Holocaust-Überlebenden aus

Essen (Nordrhein-Westfalen) – In Zeiten des wachsenden Antisemitismus ist die Lebensgeschichte von Thomas Gabelin wichtiger denn je. So wichtig, dass jeder Schüler sie hören sollte. Gabelin wurde 1944 im Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt geboren. Von den dort 9000 inhaftierten Kindern überlebten damals nur etwa 100 – darunter er. Um über den grausamen Holocaust aufzuklären, besuchte der mittlerweile 82-Jährige schon mehr als 100 Schulen in ganz Deutschland. Doch nun hat eine Schule, die er am 13. Oktober besuchen wollte, seinen Besuch abgesagt.
Sein Vortrag hätte an der Gesamtschule Bockmühle in Essen stattfinden sollen. Laut dem Influencer Louis Pawellek (28), der Gabelin bei seiner Aufklärungsarbeit begleitet, wurde der Termin jedoch am Telefon wieder abgesagt. In dem Gespräch wurde laut seiner Darstellung der Konflikt im Nahen Osten als Begründung genannt. Die multikulturelle Schule soll Angst vor möglichen Reaktionen der Schüler gehabt haben, erzählt der Influencer in sozialen Medien. NS-Überlebender enttäuscht
Pawellek empört zu BILD: „Das hat es so noch nie gegeben, wir sind schockiert darüber, dass ein Holocaust-Überlebender von einer geplanten Veranstaltung wieder ausgeladen wird.“ Auch Gabelin reagiert. „Der Vorfall in Essen macht mich sehr betroffen und traurig. So etwas haben Louis und ich bei unserer Arbeit an Schulen noch nie erlebt.“
Der 82-Jährige betont gegenüber BILD: „Für mich ist es eine Pflicht, die Überlebensgeschichte meiner Familie weiterzugeben – besonders im Andenken an meine Mutter, die im Konzentrationslager für mich sorgte und mir so das Überleben ermöglichte. 65 Mitglieder meiner Familie überlebten den Holocaust nicht und wurden von den Nationalsozialisten ermordet.“
Erst am Donnerstag hatte es ebenfalls Unmut über eine Aktion gegen die Erinnerungskultur gegeben. Die Stadt Heidenau (Sachsen) beschloss auf Antrag von AfD‑ und CDU-Politikern ein Stolperstein-Verbot.
Bei der Begründung für die Absage an Gabelin gehen die Aussagen der Beteiligten jedoch weit auseinander. Laut Schule habe der Gaza-Konflikt nie eine Rolle gespielt. Man habe den Termin am 13. Oktober unter Vorbehalt geprüft und ihn aus organisatorischen Gründen schlussendlich nicht bestätigen können. Etwa habe man angesichts des vollen Lehrplans nicht genug Zeit gehabt, den Vortrag des Holocaust-Überlebenden für die Schüler angemessen vor- und nachzubereiten. Eine Sprecherin der Bezirksregierung erklärte gegenüber BILD: „Die Entscheidung stand zudem nicht im Zusammenhang mit der Situation im Nahen Osten.“ Und weiter: „Es ist für die Schule nicht nachvollziehbar, warum die Begründung für diese Entscheidung von der Kontaktperson anders dargestellt wird.“ Man wolle nun das Gespräch mit Gabelin und Pawellek suchen, um die „unterschiedlichen Sichtweisen“ zu klären.
Aus Angst vor Reaktionen der Schüler?: Essener Schule lädt Holocaust-Überlebenden aus
