Botswana statt Burn-out: Warum Maika (47) ihr altes Leben hinter sich ließ
Botswana statt Burn-out: Warum Maika (47) ihr altes Leben hinter sich ließ
Spots Botswana statt Burn-out: Warum Maika (47) ihr altes Leben hinter sich ließ

Berlin – Freitagabend in Berlin. Eigentlich war Maika Kretschmer mit Freunden zum Essen verabredet. Stattdessen liegt sie auf dem Boden ihrer Küche. Es ist dunkel. Die Koffer von der Dienstreise stehen noch im Flur. Bevor sie überhaupt daran denken kann, den Abend zu beginnen, muss sie erst einmal liegen bleiben. „Einfach nur atmen“, sagt sie zu sich selbst. Dieser Moment totaler Schwäche ist eins von vielen Vorzeichen für ihren späteren Burn-out. Damals ahnt sie noch nicht, dass sie in wenigen Jahren mitten im Busch aufwachen wird, mit Sand unter den Schuhen und Elefanten vor dem Zelt.
Nach dem Studium in Pädagogik und Psychologie arbeitet Maika Kretschmer als Coachin und Trainerin, begleitet Manager großer Unternehmen, reist zwischen Deutschland und den USA hin und her. „Mich hat interessiert, wer hinter den Anzügen steckt“, sagt sie.
Doch irgendwann besteht ihr Alltag fast nur noch aus Flughäfen, Hotelzimmern und Konferenzräumen. Sie schläft zu wenig, isst zu wenig, sieht ihre Freunde kaum noch, jagt von Termin zu Termin. Damals hält sie das für normal. Schließlich funktioniert alles noch.
„Es hat genug Warnzeichen gegeben“, sagt sie rückblickend. Freunde sprechen sie darauf an, wie erschöpft sie aussehe. Ihre Beziehung verändert sich. Dass sie über ihre Grenzen hinausgeht, merkt sie selbst. Trotzdem macht sie weiter. Bis ihr Körper die Entscheidung für sie trifft. „Es hat genug Warnzeichen gegeben“
Auf dem Weg zum Flughafen mit ihrem damaligen Partner passiert es: „Es gab einen Aufprall im wahrsten Sinne des Wortes.“ Ihr Auto wird plötzlich von einem anderen Fahrzeug hinten gerammt. Direkt vor der Charité in Berlin. Für Kretschmer zählt in diesem Moment nur ein Gedanke: „Ich muss zum Flughafen.“ Sie steigt aus, zerrt am verbeulten Kofferraum – vergeblich. In den USA wartet ein großes Training, das sie monatelang vorbereitet hat. Das will sie keinesfalls verpassen. Doch statt im Flieger landet sie im Krankenhaus. „In diesem abrupten Bruch von dem Buzzing Life zu totaler Stille brach sich der längst evidente Burn-out den Weg.“ Die Business-Frau bricht neben dem Auto zusammen.
Sieben Monate braucht sie, um wieder auf die Beine zu kommen. Sie schläft viel, lässt sich ärztlich begleiten und beginnt zum ersten Mal seit Jahren, darüber nachzudenken, wie ihr Leben nach dem Burn-out eigentlich weitergehen soll. Eines Abends liegt sie in der Badewanne, telefoniert mit einer Freundin. Nach drei Stunden platzt dieser der Kragen: „Du gehst mir so auf den Sack. Es ist doch völlig logisch, dass du irgendwas mit diesem Afrika-Ding machen musst.“ Heute erinnert sich Kretschmer noch genau daran. „Es war, als ob jemand einen Stöpsel rausgezogen hat.“
Sie springt aus der Wanne, klappt ihren Laptop auf, sucht den nächstmöglichen Guide-Kurs in Botswana und bucht ihn. Vier Wochen später sitzt sie im Flugzeug Richtung Afrika. „Ich werde nie meinen ersten Elefanten vergessen“
Dieses „Afrika-Ding“, von dem ihre Freundin gesprochen hat, ging los mit 21. Damals reiste Maika Kretschmer zum ersten Mal ins südliche Afrika. Es war Silvester 2000. Noch heute weiß sie genau, wie sich dieser Moment angefühlt hat. Am Abend schlägt sie mit ihrem damaligen Freund das Zelt mitten im Busch auf. Die Sonne geht langsam unter. „Ich werde nie meinen ersten Elefanten vergessen“, sagt sie. „Wahrscheinlich war das der Moment, wo ich mich verliebt habe.“ Immer wieder zieht es Kretschmer in den Folgejahren zurück in die Wildnis. Mit Geländewagen, Dachzelt und Abenteuerlust. Und jetzt zum Okavango-Delta, um mehr über das Verhalten der Tiere und die Wildnis zu lernen.
Schon nach wenigen Tagen spürt sie, dass etwas Großes passiert. „Hier verändert sich gerade mein Leben.“ Zurück in Deutschland verkauft sie große Teile ihres Besitzes, trennt sich von ihrem Partner. „Ich brauchte Platz zum Denken“, sagt Kretschmer.
Botswana statt Burn-out: Warum Maika (47) ihr altes Leben hinter sich ließ
