Überraschung für Giorgia Meloni: Tank-Multis in Italien deckeln sich selbst
Überraschung für Meloni: Italiens Tank-Multis deckeln sich selbst
Spots Überraschung für Meloni: Italiens Tank-Multis deckeln sich selbst

Rom – Die Spritpreise steigen, auch Italiens Regierung gerät unter Druck. Jetzt ziehen die Tankstellen-Riesen im Land die Notbremse: Die beiden Ketten Eni und IP (besitzen zusammen rund 40 Prozent der italienischen Tankstellen) senken ihre Preise freiwillig und verschaffen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni inmitten der hitzigen politischen Debatte um Maßnahmen gegen hohe Spritpreise etwas Luft.
Der staatlich kontrollierte Energiekonzern Eni führte zum Wochenstart an seinen Tankstellen einen Preisdeckel ein, der zunächst 30 Tage gelten soll. Benzin kostet dort maximal 1,99 Euro, Diesel höchstens 2,19 Euro pro Liter. Das sind bis zu 17 Cent weniger als im Wochendurchschnitt zuvor. Die Regelung könne laut Unternehmen bis Jahresende verlängert werden. Zum Start der Aktion bildeten sich teilweise lange Warteschlangen an den Eni-Tankstellen.
Auch die Tankstellengruppe IP, die im Mai vom aserbaidschanischen Energiekonzern Socar übernommen wurde, kündigte laut Handelsblatt Rabatte an. Einen festen Höchstpreis soll es allerdings nicht geben. Die Preise sollen flexibel an die Marktlage angepasst werden. Brisant: Außenminister Antonio Tajani (73) erklärte auf X, er habe den Socar-Chef Anfang September selbst um einen freiwilligen Beitrag zur Entlastung italienischer Autofahrer gebeten. Hilfe für Regierungschefin Meloni
Die freiwillige Aktion kommt für Meloni zum perfekten Zeitpunkt. In Italien lagen die Durchschnittspreise zuletzt bei 2,14 Euro für Benzin und 2,28 Euro für Diesel. Gleichzeitig fehlt der hoch verschuldeten Regierung Spielraum für weitere Entlastungen. Zuletzt beschloss Rom, ab 2027 die Kfz-Steuer für Millionen Fahrzeuge auszusetzen.
Befreit werden sollen Pkw mit weniger als 80 Kilowatt Leistung (rund 110 PS) sowie Motorräder und Motorroller. Nach Regierungsangaben profitieren davon rund 14,5 Millionen Fahrzeuge. Die Opposition deutete an, der Zeitpunkt für die Entlastungen liege auffällig nah an den Parlamentswahlen im kommenden Jahr. Eine Übergewinnsteuer verhindern
Experten vermuten aber auch bei den Konzernen ein klares Kalkül: Eni wollte mit dem Preisdeckel einer möglichen Übergewinnsteuer zuvorkommen, heißt es. Über eine solche Maßnahme sei in der vergangenen Woche diskutiert worden. Für den Konzern könnte der freiwillige Rabatt deutlich günstiger sein als neue staatliche Sonderabgaben.
Analysten schätzen die Kosten des freiwilligen Spritdeckels auf 85 bis 100 Millionen Euro pro Monat. Angesichts eines erwarteten Nettogewinns von rund zehn Milliarden Euro gilt das jedoch als verkraftbar. Fest steht: Die Tank-Multis helfen nicht nur den Autofahrern. Sie liefern Meloni in Zeiten teurer Energie und knapper Staatskassen einen dringend benötigten politischen Erfolg.
Überraschung für Meloni: Italiens Tank-Multis deckeln sich selbst
